Wenn die Freimaurerei ein System ohne inneren Halt wäre, wäre sie im Laufe der Jahrhunderte im Brei anderer unausgegorener Systeme versunken. Um diese Ränke um die Phantasieranken über die Freimaurerei zu entwirren, um Dichtung und Wahrheit auseinanderzu'dividieren', wollen wir uns mit einigen freimaurerischen Begriffen befassen und häufig benutzte Worte, die fremdartig klingen, erklären. Wir nehmen das Wort beim Wort! (Anmerkung: Liebe Leserin, lieber Leser, manchmal sage ich "Wir", dann lesen Sie Allgemeingültiges aus und von der Freimaurerei. Manchmal sage ich ausdrücklich "Ich", dann lesen Sie meine persönliche Meinung und Denkweise, die nicht automatisch die Meinung und Denkweise aller Freimaurer/innen sein muss. )
Falls Sie die Seite ‚"Was wir wollen" schon durchgelesen haben, haben Sie erfahren, was Freimaurerinnenlogen nicht sind.
Die Ergänzung/Fortsetzung dazu lesen Sie hier: Lesen Sie, lesen Sie.... und Sie werden sehen!
Was sind Freimaurerinnenlogen nicht?
Sie sind
keine therapeutische Gruppe,
keine Insel der Seligen,
kein Debattierklub,
keine Interessenvertretung,
keine Religionsgemeinschaft. 1
Was sind Freimaurerinnenlogen?
Sie sind
ein Bund Ähnlichgesinnter. 2
ein Refugium für Zielstrebige.
ein Ort der 'Innenarchitektur'.
eine Schmiede für Toleranz.
eine Werkstatt für Humanität.
Anmerkung 1:
Es gibt 5 Punkte, die die Gesinnungs- oder Weltanschauungsgemeinschaft ‚Freimaurerei' von Religionsgemeinschaften unterscheidet:
1. Die Freimaurerei ist nicht gestiftet worden von einem (oder mehreren) ‚Stifter' oder ‚Gründer' oder ‚Guru'. Alle Religionen oder Religionsgemeinschaften (oder Sekten) gehen auf Gründer/Stifter zurück. Die/den gibt es in der FM nicht!
2. Es gibt keine Heilsversprechen: "Wenn Du ein ‚Gutmensch' wirst, kommst Du in den Himmel oder das Paradies, direkt an die Seite des ...'Stifters'!" Das gibt es in der FM nicht!
3. Es gibt keine Drohungen: "Wenn Du kein ‚Gutmensch' wirst, kommst Du in die Hölle, ins Fegefeuer, direkt an die Seite des ‚Satans'!" Das gibt es in der FM nicht!
4. Sie müssen keine teuren Seminare oder Workshops besuchen, um ‚Freimaurerei zu lernen'. Das gibt es in der FM nicht!
5. Keine Missionsarbeit. Wir bemühen uns um Öffentlichkeitsarbeit im Sinne von Information, nicht im Sinne von Anwerbung. Wir Freimaurer wollen niemanden missionieren. Das gibt es in der FM nicht!
Diese 5 Punkte sind die Quintessenz der Unterscheidung!
Anmerkung 2:
Wir sind nicht unbedingt Gleichgesinnte, denn Menschen sind keine Massenware mit konfektionierten Meinungen. Menschen sind zu unterschiedlich. Aber wir sind auch nícht das Gegenteil davon: Ungleichgesinnte. Der Begriff Ähnlichgesinnte trifft es besser. Die ÄHNLICHE Gesinnung verbindet uns.
Was bedeutet das Wort 'Loge'?
Das Wort Loge (engl. lodge) wurde zum ersten Mal 1278 urkundlich erwähnt und meinte ein Holzgebäude mit Dachbrettern, das mit Laub bedeckt war zum Schutz vor Regen und fremden Blicken - eine Laube, in der Werkzeuge aufbewahrt und Baupläne gemacht wurden, wie die mittelalterlichen Dombauhütten. (Das italienische Wort ‚Loggia' klingt hier auch an.)
Die Bezeichnung 'Loge' ist nicht geschützt und deshalb auch nicht 'freimaurerspezifisch', sondern kann ebenso von anderen Vereinigungen benutzt werden.
Wann und wie entstand der Begriff 'Freimaurer'?
Der Begriff Freimaurer (engl. free-mason) tauchte das erste Mal in einer Londoner Urkunde von 1376 auf. Dieser Begriff stand für qualifizierte Maurer und Steinmetze. Die Bauleute der Dome und Kathedralen hatten - ebenso wie königliche Kaufleute - von Kaiser Friedrich II von Hohenstaufen die sog. Reichsfreiheit erhalten (Goldene Bulle von Rimini 1226). Früher durften die Handwerker nur in ihrem Ort und in einem bestimmten Umkreis arbeiten. Sinn dieses Gesetzes war es nun, die Ortsgebundenheit der Handwerker mit speziellem Fachwissen aufzuheben, damit sie es auch an anderen Orten und Großbauten anwenden konnten. So wurden aus den zunftgebundenen Werkmaurern die ‚freien Maurer'. Wir brauchen uns nur mal intensiv auszumalen, wie die Spezialisten im Mittelalter ihre mathematischen, geometrischen und physikalischen Kenntnisse ohne Taschenrechner und ausgeklügelte Hilfsmittel in die Tat umgesetzt haben. Wie ist es möglich ein freischwebendes Kirchengewölbe zu bauen, ohne daß die Gefahr besteht, daß es bald wieder zusammenbricht!
(Kleine Denkaufgabe nebenbei: warum heißt ein Kirchenschiff ‚Kirchenschiff? Was hat eigentlich ein Schiff mit einer Kirche zu tun?)
In den Dombauhütten entwickelten sich besondere Eigenarten: im Bewusstsein der großen Verpflichtung und Verantwortung beim Bau von Gotteshäusern. Die Maurer suchten nach Möglichkeiten, ihre Zunftmitglieder für diese Aufgabe persönlich zu schulen und zu motivieren. Deshalb traf man sich mindestens 1x am Tag zu einer Gedenk- oder Vorbereitungsstunde, um sich die Tragweite ihrer Arbeit immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Aus dieser Tradition der täglichen Vorbereitungsstunden mit rituellen Handlungen hat sich die spekulative Freimaurerei entwickelt (= die beobachtende, betrachtende Freimaurerei, im Gegensatz zur operativen = arbeitenden, tätigen Werkmaurerei).
Mit der Reformation zeigte sich eine zunehmende Kritik der Menschen gegenüber der Allmacht der Kirche. Die Menschen damals waren bald nicht mehr so leicht dazu bereit, unkritisch Geld für Ablassbriefe und die Errichtung von Kirchen-Großbauten wie Kathedralen und Dome zu bezahlen. Ausbaden mussten das die Handwerker: die Domsteinmetze und Maurer, Zimmerleute und Dachdecker wurden arbeitslos. Aber sie wollten ihre regelmäßigen Gedenkstunden nicht missen. Nach und nach boten sie auch Nicht-Steinmetzen und Nicht-Bauhandwerkern Zutritt zu ihren Logen und ihren Gesprächen, und so reifte die Freimaurerei fast zu der Form, wie wir sie heute kennen.
Äußere Organisation - innere Ordnung unserer Logen
Fangen wir mit der äußeren Struktur an: die äußere Struktur der Logen ist erst einmal überhaupt nicht speziell freimaurerisch, denn alle Logen sind eingetragene Vereine, registriert beim sog. Registergericht, das eine Abteilung im Amtsgericht ist. Ein Verein wird dann gegründet, wenn man eine Organisation anstrebt, die einer unbeschränkten größeren Anzahl von Mitgliedern offenstehen soll (im Gegensatz zu einer Gesellschaft). Der Zweck eines frmr. Logenvereins dient also dem Zusammenschluss einer größeren Anzahl von Menschen, die ein gemeinsames Ziel erreichen wollen.
Im deutschen Vereinsrecht ist festgelegt, daß zur Vereinsgründung mindestens 7 geschäftsfähige, mündige Bürger notwendig sind. Es muss eine Satzung aufgestellt werden, in der steht, welches Ziel und welchen Zweck der Verein anstrebt, der Vorstand muss aus mindestens 3 Personen bestehen, es muss festgelegt sein, wer Mitglied unter welchen Bedingungen werden kann, wie oft und in welcher Form eine Mitgliederversammlung einberufen und abgehalten wird, wann ein Mitglied aus dem Verein ausscheiden kann, soll oder muss usw. usw. Es gibt eine ganze Reihe von demokratischen Vorschriften des Gesetzgebers, die bei einer Vereinsgründung beschrieben, beachtet oder beantragt werden müssen. Jeder Bürger, der sich dafür interessiert, kann sich beim Amtsgericht die Satzung des jeweiligen Vereins oder der Loge ansehen und durchlesen - oder er lässt sie sich zeigen direkt bei dem Logenverein, für den er sich interessiert.
Bevor wir weg vom Formal-Juristischen eines Vereins, hin zur Freimaurerei, hin zu der inneren Ordnung der FM-Logen kommen, müssen wir vorher noch zwei weitere Schritte machen: in der frmr. Terminologie heißt das: wir müssen noch zwei weitere Stufen erklimmen, bevor wir auf den Weg gelangen, der die innere Ordnung erkennen lässt.
1. Stufe: innerhalb der Logen gibt es auch eine "äußerliche Struktur", die man theoretisch und praktisch vom Vereinswesen loslösen kann. Dabei geht es sowohl um die Führungs- und Verwaltungsebene der Loge, als auch um die geistig-seelische Ebene. Natürlich setzen wir andere Prioritäten als das Vereinsgesetz. Um den Zweck und das Ziel unseres Vereins zu erreichen - besser gesagt: um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren - welches wir ja in der Satzung festgelegt haben, gibt es in den Logen Ämter, Aufgaben und Pflichten. Ich nenne das lieber einen Auftrag. Wir haben uns diesen Auftrag selbst gegeben!
Die Fachausdrücke für Logenämter weichen ab vom landläufigen Sprachgebrauch, weil diese Ausdrücke - ebenso wie die Historie und die Werksymbole - aus dem Handwerk, aus dem Steinmetz- und Maurerhandwerk früherer Zeiten stammen:
Zur Logengründung bedarf es auch 7 Personen - genau wie im profanen Leben zur Vereinsgründung auch. Allerdings sind 7 Meisterinnen erforderlich. Denjenigen von Ihnen, die zum ersten Mal hier sind, möchte ich kurz erklären, daß es 3 Grade in der FM gibt: Lehrling, Gesellin, Meisterin (wie bislang im Handwerk auch). Aber diese symbolichen Grade sind keine Hierarchie im Sinne von Logenkarriere, sondern das sind Erkenntnisgrade.
Alle Logenämter werden auch demokratisch gewählt. In kleinen bzw. jungen Logen ist meistens der Vereinsvorstand auch gleichzeitig der Logenvorstand. Das liegt an der noch geringen Mitgliederzahl. Das ist aber nicht zwingend erforderlich. Logenvorstand und Vereinsvorstand könnten personell getrennt werden.
Der Logenvorstand wird von den 3 hammerführenden Beamtinnen gebildet: das sind die Meisterin vom Stuhl, die 1. und die 2. Aufseherin. Außer diesem Dreigespann im Logenvorstand gibt es noch den sog. Beamtenrat oder Schwesternrat. So wird die gesamte Logenarbeit geplant, organisiert und verwirklicht, die aber nur gelingen kann, wenn alle Schwestern mitwirken, mitarbeiten, mitbestimmen.
2. Stufe: wer einer Freimaurerinnenloge beitreten will, kann sich nicht einfach anmelden - Sie können sich nur um Aufnahme bewerben. Bevor Sie aber einen Aufnahmeantrag stellen, sollen Sie sich mit dem Ziel der FM und den Pflichten, dem Auftrag einer Freimaurerin bekanntmachen. Das geschieht zuerst durch den regelmäßigen Besuch unserer Gästeabende, die ihnen ja nicht nur Vorträge anbieten, sondern immer auch die Gelegenheit Freimaurerbrauchtum und die Schwestern näher kennenzulernen.
Sobald Sie einen Aufnahmeantrag stellen wollen, sollen Sie sich eine Bürgin (in manchen Logen auch 2 Bürginnen) aus unserem Kreis aussuchen. Die Bürgin hat eine wichtige Aufgabe: sie stellt die Verbindung her zwischen der Neuen und der Loge. Die Bürgin in der Freimaurerei hat nicht die Verpflichtung wie im profanen Leben. Die Bürgin in der Freimaurerei ist vielleicht eher mit einer Mentorin (Beraterin, Begleiterin) zu vergleichen.
Unsere Sorgfalt bei der Auswahl der Suchenden ( so nennen wir eine Frau, die sich ernsthaft interessiert und bemüht, um Mitglied in einer FM-Loge zu werden) ist für eine Personenvereinigung nichts Besonderes. Sie ist immer dann angebracht, wenn engere persönliche und freundschaftliche Bindungen zwischen den Mitgliedern entstehen sollen, dass Vertrauen auf beiden Seiten voraussetzt. Denn um zur Schwester zu werden, erfordert es mehr, als ausschließlich die Aufnahmebedingungen zu erfüllen, die in einer Vereinssatzung stehen. Z.B. volljährig zu sein und wirtschaftlich in der Lage zu sein, den Mitgliedsbeitrag und die Aufnahmegebühr bezahlen zu können. Die Entscheidung über die Aufnahme einer Suchenden wird demokratisch abgestimmt. Das besondere daran ist, daß diese Abstimmung während einer Zeremonie im Tempel stattfindet. (Wir Freimaurer nennen unseren ‚Arbeitsraum' Tempel). In der Entscheidung für oder gegen eine Suchende liegt ein Wagnis, nämlich das Risiko zum Tragen und Ertragen der Folgen. Die uns dabei bewegenden Fragen sind: könnte sie eine Freimaurerin werden oder sucht sie etwas ganz anderes, was sie bei uns gar nicht finden kann? Ist sie geeignet für unsere Gemeinschaft, passt sie zu den Schwestern, die unsere Loge darstellen? Kann sie uns ergänzen, mit uns harmonieren und uns neue Impulse geben, uns motivieren im seelisch-geistigen Bereich. Kann sie Steine ins Rollen bringen oder legt sie uns Steine in den Weg?
Das Verbindungsnetz der Freimaurer nämlich ist nicht ein Hobby oder ein geschäftliches Interesse oder soziales Engagement oder humanitäre Aufgaben, ist erst recht nicht eine nette Feierabendgestaltung am Donnerstagabend 2mal im Monat, sondern das Verbindungsnetz der Freimaurer ist das Flechtwerk der Humanität mit allem, was man unter diesem Begriff versammeln kann und der Ausbildung dazu, das Erlernen zur eigenen inneren Führung.
Wir Logenschwestern brauchen einander zur Zwiesprache, zum Ausgleich, zur Entspannung und zur Entwicklung. (Achten sie bitte auf das Wort: Ich kann mich nur ent-falten, ich kann mich nur ent-wickeln, wenn ich ent-spannt bin!) Nicht jede Schwester wird eine Freundin sein, aber jede Schwester muss eine Schwester sein. In der Verwandtschaft ist es das ähnliche Blut, das verbindet. In der Freimaurerei ist es die ähnliche Gesinnung, die verbindet.
! Jetzt ! mit dem Stichwort Gesinnung bin ich bei der inneren Ordnung der Logen.
Ordnung ist die Verbindung des Vielen nach einer Regel.
- Immanuel Kant -
Welche Gesinnung ist die eine Regel für viele Schwestern in unseren Logen?
Was ist der Baustein der inneren Ordnung, um es wieder in der Maurersprache auszudrücken?
Was ist der Eckstein unserer inneren Logenordnung?
Es ist die Schwesterlichkeit (Brüderlichkeit, Menschlichkeit).
In der Freimaurerei erhält das Wort "Schwester" eine neue Dimension. Frauen bezeichnen sich als Schwestern, die nicht miteinander verwandt sind oder einen gleichen Beruf haben (Kranken-, Gemeinde-, Kloster-, ). Schwester sein bedeutet: sich untereinander in der Loge verbunden zu fühlen. Logenschwestern sind Begleiterinnen auf meinem Weg und umgekehrt begleite ich meine Schwestern auf ihrem Weg. Ich muss auf diesem Weg, den ich gehen möchte, um an mir selbst zu arbeiten, jeden Schritt selber ausführen. Ich muß selbst einen Fuß vor den anderen setzen. Ich muss die Schritte allein ausführen, aber ich bin nicht allein, ich werde begleitet. Symbolisch ausgedrückt: Manchmal gehen wir nebeneinander, manchmal gehen wir hintereinander, manchmal gehen wir auch auf verschiedenen aber paralellen Wegen und können uns von unterwegs zuwinken. Denn: Das gemeinsame Ziel bleibt!
Theoretisch ist Schwesterlichkeit erst einmal ein Teil, eine von vielen Unterteilungen des Mega-Begriffes Menschlichkeit. "Schwestersein" bedeutet nicht nur gemeinsame Logenzugehörigkeit oder Blutsverwandtschaft zur leiblichen Schwester. Wesentlicher ist die gefühlsmäßige Verbundenheit, menschliches Verständnis füreinander. Die Loge ist unser Trainingslager, unser Übungsplatz für diese Schwesterlichkeit. Hier schlagen wir - symbolisch - mit dem Zirkel erst einmal einen kleinen Kreis und versuchen ihn maximal und optimal auszufüllen. Das geht aber nicht sofort, nicht von heute auf morgen, es klappt auch nicht immer. Deshalb brauchen wir auch Beharrlichkeit und Ausdauer für diese Aufgabe und Treue zu dem Versprechen, was wir uns selber gegeben habe, was wir uns selbst aufgegeben haben als anstrebbares, lebbares und erlebbares Ziel.
Wenn uns das Vorhaben, schwesterlich und immer schwesterlicher miteinander umzugehen, immer besser gelingt, können wir diese Fertigkeit draußen im profanen Leben - in unserem Alltag: in der Familie und Verwandschaft, im Beruf mit Kollegen und Chefs, in der Nachbarschaft usw. - jeden Tag ein bisschen besser, jeden Tag ein bisschen leichter ausüben.
Es geht uns nicht darum, am anderen Menschen zu arbeiten, sondern für ihn tätig zu sein, indem ich an mir selbst arbeite. Wenn ich meine Ecken und Kanten erst einmal nur ein bisschen abschlage, dann schrammt sie (die Schwester, der andere Mensch) sich nicht mehr so schmerzhaft daran.
Im Sprachgebrauch der FM heißt es: ich - der unvollkommene Mensch - bin der rohe, der unbehauene, der gerade aus dem Steinbruch herausgebrochene, der raue Stein. Ich, der unvollkommene Mensch, bin gleichzeitig nicht nur das Werkstück - der Stein - sondern auch das Handwerkszeug - der Spitzhammer - und der Handwerker, der Arbeiter/Arbeiterin.
3 Funktionen in einer Person!
Das ist Arbeit!
Die Idealvorstellungen, die mir in der FM vermittelt und immer wieder vor Augen geführt werden: "so kann es sein, wenn du dich bemühst", diese Idealvorstellungen führen meine Werkzeuge, sind mein Spitzhammer, um die Ecken und Kanten an meinem rauhen Stein abzuklopfen.
In der Freimaurerei gibt es auch den würfelförmigen Stein - den Kubus. Symbolisch steht der Kubus für den glatt behauenen, blank polierten Stein, der sich nahtlos in den Bau der Humanität einfügt. Im Idealfall steht er sicher und fest als tragender Fundamentstein oder er fügt sich fast nahtlos in die Mauer in Nachbarschaft mit den anderen Steinen ein. Aber vergessen wir nicht dabei, dass solch ein würfelförmiger Stein besonders scharfe Kanten und spitze Ecken hat. Mit einem festen Standpunkt kann man nämlich gehörig ‚anecken'. Symbolisch heißt das: das tätige Handeln, das Ausüben der Wertvorstellungen verlangt Stellungnahme, erfordert Zivilcourage!
Aber, liebe Leser: das, was ich Ihnen gerade langatmig erklärt habe, ist nicht das Wesen der Freimaurerei. Die Übung und Pflege in Schwesterlichkeit ist nur ein Stein, ein Eckstein im Tempelbau der Humanität. Allein durch einen wohlorganisierten Bund, eindrucksvolle Rituale und die Pflege der Schwesterlichkeit/Menschlichkeit, noch dazu unter dem Siegel der Verschwiegenheit, kann ich mich noch nicht zu einem moralisch gefestigten Menschen erziehen. Das Ganze wäre lediglich eine liberalere Version der Zehn Gebote.
Um ein Bauwerk errichten zu können, muss man eine Vorstellung haben von seiner künftigen Form. Kein Steinmetz wird einen Stein auf's Geratewohl behauen und es dem Zufall überlassen, was dabei herauskommt. Es muss ein klar umrissener Bauplan vorhanden sein. Dieser Bauplan ist auch vorhanden und in der Tradition unseres Bundes überliefert: und das ist das Ritual.
Die Maurerei ist ein Bund, der uraltes Wissen der Menschheit um die Geheimnisse des Lebens bewahrt. Sinn und Bedeutung der Symbolik gehen weit über nur ethisch-moralische Ausdeutung hinaus. Als Initiationsgemeinschaft stellt sie Anforderungen an Mitglieder und an Suchende, wie es sie bei anderen Vereinigungen nicht gibt. Erst mit der rituellen Aufnahme erwirbt man die Mitgliedschaft der Loge.
Ziel der Freimaurerei ist es, durch das Erleben von Ritualen und den Umgang mit den Symbolen zum Nutzen der einzelnen Schwester und des Bundes erlebbar, erlernbar und anwendbar zu machen. Die Suchende wird bei ihrer Einweihung mittels einer sehr komplexen Symbol- und Bilderwelt imprägniert (= ausgerüstet, gestärkt). Dieser Vorgang bleibt für ihr Unbewusstes unvergesslich. Freimaurerin bleibt sie damit bis an das Ende ihres Lebens. Auch dann, falls sie aus der Loge austritt.
Für mich beinhaltet der Ausdruck 'Freimaurerin sein' mehr, als Mitglied einer Freimaurerinnen-Loge zu sein. Ob ich eine Freimaurerin bin, mögen andere Menschen beurteilen.
Was bedeutet unser Bijou?
Wo und wann treffen wir uns?
Wir treffen uns regelmäßig 2mal im Monat im Logenhaus in Hannover (außer im Juli und August). Einmal im Monat richten wir eine rituelle Tempelarbeit aus (In der Handwerkersprache steht ‚ausrichten' für: eine Linie festlegen, abstecken, messen!) An den beiden anderen Abenden treffen wir uns zu schwesterlichen Gesprächen, zu Lehrgesprächen und Instruktionen. Jeden 2. Monat findet ein Gästeabend statt für freimaurerisch interessierte Frauen mit Vorträgen zu einem Leitthema. Anschließend haben wir ein bißchen Zeit zu Diskussionen zum Vortrag und mehr Zeit für Ihre Fragen zur Freimaurerei.
Wir befassen uns vorwiegend mit unseren freimaurerischen Themen und Arbeiten - außerdem mit ethischen und philosophischen Themen und mit den ewig gültigen Weisheiten und Idealen der Menschlichkeit vor dem Spiegel freimaurerischer Symbolik. Politik und Religionen sind nicht ganz außen vor, aber wir achten darauf, daß kein Streit entsteht, denn bei Politik und Religion geht es immer um persönliche Überzeugungen. Die bleiben jedem selbst überlassen - spätestens hier beginnt die in der Freimaurerei vielzietierte Toleranz: Toleranz nicht im Sinne von kniefälliger Duldsamkeit, sondern im Sinne von Rücksichtnahme (wörtlich: Respekt vor der Meinung, der Überzeugung, den Prinzipien Anderer.)
Wie können Sie Kontakt mit uns aufnehmen?
Die Zeichen der Zeit stehen auf Innehalten, Besinnen, Suchen nach wahren, unverlierbaren Werten. Der Wunsch nach Selbsterkenntnis rückt das Angebot der Freimaurerei ins rechte Licht. Frauen, die eine dauerhafte Gemeinschaft suchen, die mehr als freundliche Unverbindlichkeiten einbringen wollen, sondern vor allem Offenheit für Selbstkritik, den Willen zur Arbeit an sich selbst und dem Üben und Ausüben von Toleranz und Humanität mitbringen, können sich erst einmal zu einem unverbindlichen Gästeabend anmelden.
Nutzen Sie diese e-mail-Adresse für Ihre Anfragen: granatapfel@freimaurerinnen.de