Die Kapelle wurde um 1500 im spätgotischen Stil renoviert, überstand den großen Stadtbrand von 1726 und diente während des Dreißigjährigen Krieges vorübergehend vier Nonnen aus dem Pfullinger Kloster als Zufluchtsort. Eine noch erhaltene Steinplatte zeigt an, dass hier am 15. November 1646 die Klarissinnennonne Sybilla Knerin verstorben ist.
Seit 1802 ist das klösterliche Anwesen säkularisiert und die Nutzung wurde zwischenzeitlich einer Glockengießerei überlassen. 1885 erwarb ein Privatier das Gebäude im Auftrag des damals existierenden Freimaurerkränzchens, dessen Brüder nun, nachdem sie ein eigenes Haus hatten, die Gründung der Loge "Glocke am Fuße der Alb" (http://216.121.84.94) beschließen konnten. Der schöne steinerne Spitzbogen für das Haupttor der Kapelle wurde beim Umbau 1893 an die Straßenfront des Gebäudes verlegt, so dass man heute noch immer durch denselben Torbogen das Haus betritt, den vor Jahrhunderten die Gläubigen durchschritten, wenn sie die Messe hören wollten.
Wir arbeiten heute also an einem äußerst geschichtsträchtigen Ort, der uns einerseits immer an die Stationen unserer mitteleuropäischen Geschichte erinnert, aus der ja unsere heutige Gesellschaft mit all ihren Strukturen hervorgegangen ist, aber andererseits auch ganz besonders an die Ursprünge der Freimaurerei: an die Bauhütten. Hier haben sich einst freie Maurer getroffen, Menschen, die als einzige unabhängig von Fron und Zunft ihrer Arbeit nachgehen konnten, die sich auf ihren Reisen durch die Welt viel Wissen und Toleranz gegenüber Fremden angeeignet hatten und die es sich von daher auch leisten konnten, "anders" - nämlich "frei" - zu denken und zu handeln.
Ihre Kenntnisse und Visionen haben sie in ihrer Architektur zum Ausdruck gebracht und in der Ordnung des Bauwerkes die Gesetzmäßigkeiten und Ursachen die dem Leben zugrunde gelegte Ordnung verdeutlicht. Sie verwendeten dabei auch das Bild von den "lebendigen Steinen", den lapides vivi, aus denen die geistige "ecclesia" gebaut wird. Was die "operativen" Maurer noch real gebaut haben, hat sich in der Geschichte der Freimaurerei zu einem "spekulativen" Maurertum weiterentwickelt. Das bedeutet, dass Freimaurer heute an einem geistigen Bau arbeiten, an der Idee der Humanität. Und auch dazu brauchen sie "lebendige Steine", nämlich Menschen.
Historisch bedingt konnten solche Ideale über viele Jahrhunderte hinweg offiziell nur von Männern verwirklicht werden. Inzwischen hat sich die Welt verändert und mit ihr die Arbeit der Freimaurer. Was einst als Tradition von den "freien Maurern" an die geistige Arbeit der Männerbünde in den Freimaurerlogen überging, ist nun auch in der Hand von Frauen. Zusammen fühlen wir uns in unserem Selbstverständnis als Freimaurerinnen und Freimaurer zu ernsthaftem Bemühen um Wahrheit und Erkenntnis verpflichtet, zum Erhalt und zur Pflege der freimaurerischen Symbolik als Wegweisung zur Menschlichkeit. Und das betrifft Menschen von heute. Menschen, die eine politische Gleichberechtigung besitzen, Menschen, die es ernst meinen, die sich in ihrem Mann- oder Frausein als existenzielle Ergänzung betrachten, Menschen, die ein menschliches Miteinander anstreben.
Die Silberdistel
Die Silberdistel oder Eberwurz ist eine typische Pflanze der Kalktrockenrasen. Die großen, bis 10 cm breiten Blütenkörbchen der Silberdistel sind von einem Kranz silbrig glänzender Hüllblätter umgeben, die sich abends und bei schlechtem Wetter schließen. Bei sonnigem Wetter sind sie strahlenförmig ausgebreitet. Der Name "Distel" bezieht sich auf die dornigen Blätter.
Bienen, Hummeln, Käfer und Tagfalter bestäuben die zahlreichen im Körbchen stehenden rosaroten Röhrenblüten. Die Samen der Eberwurz werden von Vögeln verbreitet.
Die Silberdistel ist auf den höheren Lagen der Mittelgebirge beheimatet, also besonders auch auf der Schwäbischen Alb. Sie fehlt jedoch in der Ebene. Sie ist nicht zuletzt deshalb schutzbedürftig, weil sie oft ausgerissen und als Trockenblume verwendet wird. So steht sie heute unter Naturschutz.
Schon im 8. Jahr. gab es den, dem hl. Andreas gewidmeten ,,Distelorden", dem niemals mehr als sechzehn schottische Adlige angehörten und dessen Abzeichen die Distel war. Seine Devise lautete: "Niemand reizt mich ungestraft."
Für das viktorianische England war die Distel außer der Wappenpflanze Schottlands auch ein Sinnbild des ,,Trotzens", womit sich ihre naturgegebene Fähigkeit, Störenfriede energisch abzuwehren, erneut bestätigte.
Viel symbolische Bedeutung in einer Pflanze - symbolische Bedeutung, die sich eine Gruppe von Menschen für ihr selbst gewähltes Vorhaben ausgesucht hat.
Wie kamen wir auf den Logennamen?
Was Sie betrifft
Wir haben versucht, Ihnen durch die Erklärung unseres Logenemblems ein wenig von unserer Arbeit deutlich zu machen. Vielleicht haben Sie Interesse an unserer Arbeit gewonnen und wollen nun auch diejenigen kennenlernen, die sich hinter all den vielen Worten verbergen.
Dann können wir Sie nur herzlichst einladen, uns an einem unserer nächsten Gästeabende einmal ganz unverbindlich zu besuchen!
Sie können sich per e-mail bei uns melden:
silberdistel@freimaurerinnen.de
HAP Grieshaber - war ein bedeutender Reutlinger Künstler. Er selbst hat eine Ausgabe seiner Zeitschrift "Engel der Geschichte" der Schwäbischen Alb und der Silberdistel gewidmet. Seine Lebensgefährtin, die Schriftstellerin Margarete Hannsmann, hat dazu unter anderem folgendes Gedicht verfaßt:
Landschaft