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"Drei Säulen im Zeichen der Silberdistel"

Wie kamen wir auf den Logennamen?

Zunächst sollte unsere Loge einen Bezug zur Region erhalten. Rund herum um Reutlingen steigen die Hänge zur Schwäbischen Alb an und auf ihren Höhen findet man die Silberdistel überall. Besonders an sonnigen Herbst- und Wintertagen leuchtet sie aus der Wachholderheide dem Wanderer entgegen, sie erzählt von der Sommersonne und strahlt sie auch zurück. Man freut sich bei ihrem Anblick besonders, weil rundherum die Winterstarre in Gräser, Sträucher und Bäume Einzug gehalten hat. So spürt man Wärme und Wohlbehagen und die Gewissheit, dass die Sonne etwas Bleibendes hat.
Wir denken also auch an die symbolische Bedeutung der "Sonne", die in allen Kulturen immer wieder in ihrer lebensspendenden Kraft auftaucht. Durch die Übernahme der Silberdistel in unser Emblem haben wir gleichzeitig einen Strahlenkranz, die Korona, für unsere Arbeit. Damit verkörpert diese Darstellung unser Vorhaben, unsere Arbeit mit Freude und Wärme für unser Umfeld zu tun und in Wahrhaftigkeit zu "strahlen". 


Die drei Säulen

Die ungeheure Vielfalt der Symbolik von Säulen und der Zahl "Drei" lässt sich in jedem Buch über allgemeine Symbolik und Zahlensymbolik nachlesen.
Wir wollen beides hier nur im Hinblick auf unsere Arbeit betrachten.
Erst 3 Säulen werden tragend für ein Gebäude, sind die Grundlage für ein "Dach über dem Kopf". Egal, wie sie stehen,
so             .:              oder so          \

Im übertragenen Sinne bedeutet das für uns, dass es drei Dinge in unserer Arbeit geben muss, die unser Gebäude in den Außenwänden stützen, damit ihm auch Schutz von ober her gegeben werden kann. Erst dann können wir die vierte Säule, uns selbst, in den Dienst dieser Arbeit stellen, mit der wir _ - also eine für unsere Vorstellungen quadratische oder rechteckige Form, die im Grundprinzip unseren Bauplänen entspricht, erhalten.
Nicht umsonst ist die "Vier" das Symbol für das Haus, für Bodenständigkeit, Festigkeit, etc. Womit aber wird unser Gebäude zum "Heim"? Zu dem Ort, wo wir hingehören, zu unserem Haus?

  Es ist erstens die Idee, nach der es ausgeführt werden kann, das Wissen um die Möglichkeiten.
  Es ist zweitens die physische Kraft, mit der jeder Bau ausgeführt werden muß, unsere ständige Arbeit, unser Einsatz.
  Und es ist drittens die Gestaltung des Werkes, die jedem Bau seine Eigenart und Besonderheit gibt.


Die umschließende Kette

Unter einer Kette versteht man im üblichen Sinne ineinander verschlungene Glieder, die meist kreisförmig oder eckig sind. Unsere Kettenglieder bestehen jeweils aus zwei Dreiecken und sind mit dem nächsten durch eine dünne Linie verbunden.
Die beiden Dreiecke symbolisieren die Polarität des Menschen. "Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust". Unbewußtes und Bewußtes, Männliches und Weibliches (Animus und Anima), gegensätzliche Eigenschaften (gut und böse, geizig und verschwenderisch, aufnehmend und gebend, ................), Innen und Außen, physisches und außerphysisches Sein, Ich und Umwelt, soziale und personale Identität, Jugend und Alter, Leben und Tod.
Dort, wo die Gegensätze aufeinandertreffen, dort wo die Gesamtfigur gespalten ist, befindet sich die Hypotenuse des Dreiecks, seine längste Seite. Sie veranschaulicht die ungeheure "Bandbreite" individueller menschlicher Erfahrung, die Vielfalt an Gedanken, Eigenschaften, Gefühlen und Prägungen, die wiederum bestimmt sind durch die jeweils ganz persönlichen Umstände von Kindheit, Umfeld und inneren Anlagen.

In der Zusammenfügung der beiden Dreiecke zur viereckigen Raute entsteht eine neue Figur: die Gesamtheit des einzelnen Menschen, seine Ganzheit. Alles gehört zum ganzen Menschen, insbesonders seine Widersprüche.


Wenn der einzelne Mensch nun mit einem anderen in Verbindung tritt, dann erscheint er zunächst in seiner physischen Gestalt. Er kann von dem oder den anderen optisch wahrgenommen werden. Der physische Leib versucht, sich über Körpersprache zu verständigen. Er sendet körperliche Signale aus, die im allgemeinen von seinen Mitmenschen sehr deutlich verstanden werden. Nicht umsonst ist die Körpersprache das ursprünglichste Verständigungsmittel unter den Menschen gewesen. Wir reichen uns in der Kette die Hände. Viel schwieriger aber wird es, wenn wir uns über die nichtmateriellen Seiten in uns, also über Gedanken, Gefühle, Ideen, ......austauschen wollen. Dafür hat sich der Mensch die Sprache einfallen lassen, eine jede Stammesgruppe in höchst individueller Ausprägung. Aber wie beschränkt ist sie doch letzten Endes! Jeder von uns hat schon oft eine Situation erlebt, in der er "sprachlos" war. Oder wie oft wollen wir dem Mitmenschen einen Rat geben, ihn auf etwas hinweisen, ihn warnen, ihm helfen - aber er versteht uns nicht! Können wir uns denn überhaupt wirklich verstehen? Wahrscheinlich sind die Augenblicke des Nicht-Verstehens auf dieser Welt wohl eher die Regel. Noch nie sind so viele Worte geredet, gedruckt, gesendet, gefaxt und übers Internet gegangen wie heute im begonnenen 21.Jhd., dem sog. Kommunikationszeitalter. Und wieviel wird wirklich gesagt? Und wieviel wird wirklich verstanden? Gerade im kleinsten Phänomen, der Zweierbeziehung, gibt es heute mehr Unverständnis denn je und "Gesprächstherapien" sind Mode geworden.
Trotzdem aber gibt es immer wieder jene Momente, in denen wir das Gefühl haben, verstanden zu werden. Nimmt man den Begriff ernst, dann hat Verstehen etwas mit "Stehen" zu tun. Vielleicht bleibt dann die ständige Bewegung, in der wir uns befinden, - das "Alles fließt", wie Heraklit sagte - , für einen Augenblick "stehen", ein winziger Teil von uns selbst, ist mit dem ebenso winzigen Teil des anderen zur Deckung gekommen.
Die dünne Verbindung unserer Kettenglieder weist also sowohl darauf hin, dass eine Verbindung möglich ist, aber auch darauf, dass diese im Vergleich zu dem, was jeder einzelne in seinem subjektiven Verständnis meint, nur einen Bruchteil davon verkörpert.
Wir haben also als Freimaurer durch das Symbol der Kette immer wieder diesen einen Händedruck der physischen Kette. Wir können aber auch vielleicht die Hoffnung haben, dass unter uns, durch die gemeinsame Idee, durch den gemeinsamen Willen zur Arbeit an uns selbst, zur Veränderung, immer wieder ein Zeitpunkt eintreffen kann, sich zu verstehen. Wenn wir dann wirklich das Gefühl haben, dass etwas "stehen" bleibt, dann haben wir vielleicht eine Ahnung der Ewigkeit.

Dazu wünschen wir uns das "Strahlen", das im Symbol der Silberdistel ausgedrückt wird, als Begleitung aber auch als Ausstrahlung. Die Fläche der Röhrenblüten im Innern gibt Platz für die drei Säulen unserer, die somit im "Zeichen der Silberdistel" stehen, die Gestaltung unserer Kette weist uns darauf hin, dass wir zwar allein unser Leben bewältigen müssen und dass jeder für sich aktiv sei muss, aber auch darauf, dass die Gemeinschaft uns hilft und wir im Zusammenspiel unserer individuellen Kräfte zu einem gelungenen Werk kommen.

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